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Wissenschaftstheoretische Grundlagen der Konstruktion komplexer wissensbasierter Softwaresysteme

Prof. Beckstein, Ch. Schäufler

Seit Ende 2006 wird in der AG KI im Rahmen einer Promotion an den "Wissenschaftstheoretische(n) Grundlagen der Konstruktion komplexer wissensbasierter Softwaresysteme" gearbeitet. Das Ziel des Dissertationsprojektes besteht darin, existierende Ansätze der Wissenschaftstheorie zur Beschreibung von Theorien und deren zeitlichen Wandel auf der einen Seite, sowie Techniken und Formalismen der Wissensrepräsentation auf der anderen Seite, gegenüberzustellen und aufeinander abzubilden. Aus vorteilhaften Ansätzen in Informatik oder Wissenschaftstheorie sollen jeweils konkrete Vorschläge zur gewinnbringen
den Umsetzung in der jeweils anderen Disziplin entwickelt werden.

In der Wissensrepräsentation der Informatik gelten formale Ontologien spätestens mit dem Forschungsprogramm des Semantic Webs, als eine Schlüsseltechnologie. Durch Ontologien wird das Vokabular definiert, in welchem konkretes Wissen sprachlich dargestellt wird. Im Gegensatz zu den Anwendungsdisziplinen, wie Biologie, Ökonomie oder Medizin, in denen Ontologien heute eine zentrale Rolle spielen, versucht die Wissensrepräsentation, unabhängig von den konkreten Anwendungsbereichen, einen formalen Rahmen für die Bedürfnisse und Verfahren zur Ontologiespezifikation zu finden. Dabei zeigt sich, daß das einfache Verständnis einer Ontologie als beschreibungslogische Theorie, den Herausforderungen einer verteilten Nutzung und Entwicklung nicht gerecht wird. Wünschenswert und Ziel dieser Arbeit ist es, Ontologien konzeptionell derart zu erweitern, daß sie auch den Anforderungen des pluralistischen Szenarios des Semantic Webs gerecht werden. Das betrifft im Wesentlichen drei Bereiche: Erstens Ontologien selbst, zweitens -- und als ein spezieller Kontext -- die verschiedenen Querverbindungen zwischen benachbarten Ontologien bzw. Wissensbasen, drittens der Entwicklungsprozeß von Ontologien.

Die Wissenschaftstheorie mit ihrer Theoriekonzeption soll dabei gleichermaßen als Anschauungsfeld und als Vorbild dienen. Insbesondere der Wissenschaftstheoretische Strukturalismus von J.D.~Sneed mit seinem modernen, formalen Verständnis einer wissenschaftlichen Theorie dient dafür als Referenz.

Das Promotionsvorhaben ist in der Zeit vom 01. Oktober 2006 bis 31. September 2009 durch ein Landesstipendium des Freistaates Thüringen gefördert worden.